Foto: Spielstätte

Neujahrsrede des Intendanten Magnus Reitschuster:
"Gegen die Idiotisierung des Abendlands"

Neujahrsrede 2015 [PDF, ca. 63 kB]

Apollo - ein Bürgertheater, Wirklichkeit geworden nach rund 50-jährigem Kampf

Gekämpft und beharrt und durchgehalten haben viele in dieser Stadt, die gewusst haben und wissen: Kultur und Geist brauchen unbedingt einen konkreten Raum, einen Ort, der nicht „multifunktional” ist, nicht gleichzeitig für Messen oder sonstige Veranstaltungen gebaut ist, ein Theater, das seine ganz eigene Geistigkeit und Atmosphäre entwickeln kann. Darum ist im Apollo grundsätzlich Platz für die, die die Flamme am Brennen gehalten haben: Chöre, semiprofessionelle Theatergruppen der Region, Initiativen der Universität, heimische Orchester und Big Bands...

Intendant Magnus Reitschuster sagt immer: "Ein schlechtes Theater kann man ganz leicht an drei Dingen erkennen: Glanzvolles Foyer, imposanter Saal, miese Bühne." Hier im Apollo ist es anders: 15 Meter Bühnentiefe bei 14 Meter Portalbreite - damit ist das Bühnenhaus fast so groß wie der Saal. Das entspricht den Maßen des Barocktheaters, also jener Epoche, als die Bühnenkunst zu ihrer größten Blüte kam. Die Bühne verfügt über 40 Züge: 24 Punktzüge, 13 Bühnenzüge, zwei Panoramazüge und einen Portalzug und wird mit rund 200 Scheinwerfern beleuchtet.

In der Theatersituation hat das Apollo 521 Plätze - mit der Besonderheit, dass mit dem Bühnenbild bis an die Rampe gegangen werden kann. Das ist möglich dank des gebogenen Eisernen Vorhangs, der ganz vorne verläuft. In der Konzertsituation gibt es 582 Plätze; dafür wird der Orchestergraben auf Saalniveau gefahren, was drei zusätzliche Sitzreihen bringt. Für Konzerte gibt es außerdem das Konzertzimmer "Diva". Das ist ein kompletter Raum mit drei Wänden aus Edelhölzern und ebensolchen Deckensegeln, die an die Züge gehängt werden und differenziert eingestellt werden können, je nachdem, ob hochromantisches Repertoire mit viel Blech oder sanfte Streichermusik gespielt wird.

Zudem gibt es „apollo10” und „APOLLinO”: Bei „apollo10” wird der große Saal auf die vorderen 10 bis 12 Reihen reduziert. So entsteht ein variabler Raum für Produktionen, die einerseits große Bühnentechnik brauchen, andererseits aber auch Nähe und Intimität. „APOLLinO”, die „Bühne auf der Bühne” mit dem 60 cm über Bühnenniveau hochfahrbaren Orchestergraben als Podium und dem „Eisernen” als Bühnenrückwand bietet Platz für bis zu 150 Zuschauer oder Zuhörer. Ein Teil des Kindertheaters findet hier statt und auch ein wichtiger Teil des Kammermusik-Programms, zum Beispiel die WDR-3-Kammerkonzerte, die der WDR in Siegen aufzeichnet und dann bundesweit sendet.

Apollo - ein Bürgertheater. Darum gibt es hier keine Logen wie in fürstlichen Theatern. Hier ist jeder Platz im ansteigenden Gestühl, das eine besonders intensive Verbindung zwischen Bühne und Publikum ermöglicht, eine Loge, mit genügend Beinfreiheit und mit optimaler Sicht auf die Bühne.