Spielplan Siegener Biennale

Foto: Siegener Biennale 2012

2. Siegener Biennale
"Dran glauben"

Ein Theaterfest

"Also ist der Pessimismus", so Ernst Bloch in "Prinzip Hoffnung", "die Lähmung schlechthin, während selbst der verrottetste Optimismus noch die Betäubung sein kann, aus der es ein Aufwachen gibt."

Nach dem Motto "Verlieren" der ersten Siegener Biennale, dessen Zentrum Jürgen Goschs "Onkel Wanja"-Inszenierung vom Deutschen Theater Berlin war, umkreist das Siegener Apollo-Theater nun das Thema "Dran glauben":

Drei Wochen lang, mit preisgekrönten Inszenierungen der Metropolentheater und Aufführungen von prägenden Regisseuren wie Roger Vontobel, Herbert Fritsch oder Luk Perceval. Mit Begegnungen auf und jenseits der Bühne, mit wichtigen Schauspielern und Musikern.

Drei Wochen lang, diesmal mit einer zweiten Säule, dem "Biennale Diskurs". Diesen Programmteil, der gerade im Werden ist und Anfang 2012 bekannt gegeben wird, kuratiert Ralf Schnell, Literaturwissenschaftler, Böll-Herausgeber und früherer Rektor der Siegener Universität (siehe S. 57). Hier soll ein Thema erfasst werden, das sich der Vernunft entziehen will. Dran glauben.

Nicht ein "Event" ist gewollt, sondern ein apollinisch-dionysisches Theaterfest mit rotem Faden: Schillers Jungfrau von Orleans musste dran glauben, weil sie ihren Stimmen geglaubt hat. In Samuel Becketts Das letzte Band, gespielt von André Jung, bleibt vom langen Leben der erfüllte Augenblick einer Liebes-Begegnung. In Camus’ Die Gerechten geht es - radikal bis zum Mord - um den Glauben an eine bessere Gesellschaft. Und Bocherts Kriegsheimkehrer stellt in Draußen vor der Tür im Namen aller, die dran glauben mussten, die Frage: "Hat denn keiner eine Antwort?"

Diese Frage wird bei der Eröffnungsvorstellung des Thalia Theaters am Karsamstag im Raum stehen bleiben: erschütternd, lautlos, fordernd. Auch wenn im Anschluss Mahlers gewaltige Auferstehungssinfonie und der anbrechende Ostersonntag eine Antwort behaupten.

"Man muss dran glauben", sagt Gretchen. "Muss man?", fragt Faust.