Mi | 07.05. | 20 Uhr (Gastveranstaltung) ProjektTheater der Uni Siegen: Judith

APOLLinO

Leitung: André Barz

Veranstaltungsbild:

„Es ist eines der schwächsten und albernsten Stücke unseres klassischen deutschen Repertoires!“ Diese harschen Worte Bertolt Brechts gelten dem Stück „Judith“ von Friedrich Hebbel. Entstanden 1839/40 widmet sich darin der damals 26-jährige Hebbel der im Alten Testament im Buch „Judit“ überlieferten Geschichte von Judith und Holofernes. Der assyrische Feldherr Holofernes zieht mordend und brandschatzend durch die Lande und unterjocht im Namen Nebukadnezars fremde Völker. Als er auf das Volk der Hebräer trifft, stellt sich ihm Judith in den Weg. Ihr gelingt es, ihn zu umgarnen. Nach vollzogenem Beischlaf tötet sie ihn und rettet so ihr eigenes Volk vor dem Untergang. Hebbel selbst äußerste sich über sein Interesse an diesem Stoff so: „Das Faktum, dass ein verschlagenes Weib vorzeiten einem Helden den Kopf abschlug, ließ mich gleichgültig, ja, es empörte mich in der Art, wie die Bibel es zum Teil erzählt. Aber ich wollte in bezug auf den zwischen den Geschlechtern anhängigen großen Prozeß den Unterschied zwischen dem echten, ursprünglichen Handeln und dem bloßen Sich - Selbst - Herausfordern in einem Bilde zeichnen.“
Das ProjektTheater der Universität Siegen sucht in seiner Inszenierung der unheilvollen Verstrickung nationaler, religiöser und persönlicher Motive des Handelns und ihre Wirkung auf geschichtliche Entwicklung nachzugehen. Was heißt es, Mensch zu sein, und inwieweit gelingt es unter welchen Bedingungen, Mensch zu bleiben. Fragen, die an Aktualität nichts verloren haben. Insofern erzählt dieses klassische Stück eine durchaus gegenwärtige Geschichte… (Sorry Brecht!)

Das ProjektTheater wurde 2004 mit der Absicht gegründet, an der Universität Siegen eine weitere Möglichkeit zu schaffen, in der Freizeit Theater spielen zu können. Seitdem vereint es in wechselnden Besetzungen Studierende verschiedener Fachrichtungen, die bisher drei Inszenierungen zur Aufführung gebracht haben. Im Vordergrund der Arbeit stehen die Lust auf Theater und das Miteinander des Produzierens, das Sich-Ausprobieren und Experimentieren. Konzeptionell dominieren die Auseinandersetzung mit dramatischen Texten zeitgenössischer Autoren und der Versuch formaler Vielfalt im Gebrauch theatraler Mittel. Aktuelles Projekt ist die Inszenierung von Helmut Kraussers „Haltestelle. Geister“.

Weitere Infos

Info: barz@fb3.uni-siegen.de

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