So | 12.02.2017 | 19 Uhr (Smobil) Große Liebe

nach dem gleichnamigen Roman
von Navid Kermani
in einer Dramatisierung von
Magnus Reitschuster
mit Nico Holonics, Martin Hofer
und Franziska Brücker
Regie: Johannes Zametzer
Bühne/Kostüme: Katharina Dobner
Aufführungsrechte: Navid Kermani

Diese Veranstaltung liegt in der Preisgruppe B.

Preisklassen
Preise
Platzkategorie I 23.50 € / 16.50 € (erm.)
Platzkategorie II 19.00 € / 13.00 € (erm.)
Platzkategorie III 13.00 € / 8.00 € (erm.)
Veranstaltungsbild:

Eine Schulhofliebe in den achtziger Jahren, die in der Raucherecke eines Siegener Gymnasiums beginnt: Navid Kermani erzählt von sich selbst als Fünfzehnjährigem, der sich leidenschaftlich in ein drei Jahre älteres Mädchen verliebt. Dem Jungen gelingt es, die „Schönste des Schulhofs“ nicht nur zu küssen, sondern auch drei aufwühlende Nächte mit ihr zu verbringen – in einem von Räucherstäbchenduft gesättigten WG-Zimmer, während ihre Mitbewohner in der Küche über die neuesten Aktivitäten in Sachen Friedensbewegung diskutieren. Den Roman „Große Liebe“ des in Siegen geborenen Dichters, der 2015 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
ausgezeichnet wurde, hat Apollo- Intendant Magnus Reitschuster für die Bühne bearbeitet. Die Dramatisierung geht von der Frage aus, warum sich der erwachsene Erzähler mit dem Fünfzehnjährigen beschäftigt, der er selbst einst war. Der Grund ist einfach: Der alleinerziehende Mittvierziger sehnt sich nach einer Annäherung an seinen eigenen Sohn, der gerade dabei ist, sich dem Vater mehr und mehr zu entziehen. Der Gutenachtgruß wird ebenso verschmäht wie der liebevoll arrangierte Geburtstagstisch.

Den Junior zieht es an seinem 15. Geburtstag in ein angesagtes Café. Feiert er vielleicht mit einem Mädchen? Der Vater weiß es nicht. Er kann nur spekulieren, genauso wie vor rund 30 Jahren seine eigenen Eltern nur spekulieren konnten, als er mit fünfzehn die große Liebe erlebte und nachts ausblieb. Eigentlich war er ja damals, 1983, noch zu jung gewesen für die Raucherecke. Aber nur dort kann er der Angehimmelten nahe sein. Sie darf rauchen, fährt sogar schon ein Auto. Das damalige Siegen wird – wie nebenbei – genau geschildert mit seinem calvinistisch-kleinstädtischen Milieu. Dagegen gesetzt wird die Liebeslyrik islamischer Mystiker aus dem zwölften und dreizehnten Jahrhundert. Denn die trägt der Junge in sich; daran prüft der Pubertierende sein Erlebnis der Liebe. Es geht um die große Liebe schlechthin, um jene emotionalen Ausschläge, um die Auflösung des klaren Denkens und des vernünftigen Handelns, um Maßlosigkeit und Peinlichkeiten – also um die Frage: Was passiert eigentlich mit jemandem, der liebt?

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