Fr | 21.04.2017 | 20 Uhr (P) Die Glasmenagerie

von Tennessee Williams,
Regie: Stephan Kimmig,
Bühne: Katja Haß,
Kostüme: Anja Rabes,
Musik: Michael Verhovec,
Licht: Robert Grauel,
Dramaturgie: Ulrich Beck,
mit Anja Schneider, Linn Reusse
Marcel Kohler, Holger Stockhau

Deutsches Theater, Berlin

Dauer: 2:40 h, mit Pause  

Veranstaltungsbild:

Foto: Arno Declair

Aus prekären Verhältnissen und skurrilen Ängsten hat Regisseur Stephan Kimmig ein starkes Stück gemacht. „Die Glasmenagerie“ vom Deutschen Theater Berlin eröffnet die 4. Siegener Biennale. Hierbei wird dem Zuschauer ein Blick hinein in eine zerbröselnde US-Mittelstandsfamilie gewährt. Dem Autor Tennessee Williams gelang 1944 mit seinem Roman „Die Glasmenagerie“ ein Welterfolg. Anhand seiner „Helden“, der Familie Wingfield aus St. Louis, macht er klar, wie sich Armut, Unsicherheit und gesellschaftliche Erosion auf den Einzelnen auswirken – spannend gerade in der gegenwärtigen politischen Situation. „Da fruchtet der American Dream nicht. Der ist irgendwie kaputtgegangen“, schreibt die Kritikerin der Berliner Morgenpost. „Kimmig legt den Finger darauf. Das ‚höher, schneller, besser‘ unserer Gesellschaft, in der jeder selbst dafür verantwortlich ist, ob er die holzwurmzerfressende Karriereleiter erklimmt oder herunterrasselt, das stellt er infrage. Eine Lösung präsentiert er nicht.“

Man müsse „das Theater dafür lieben“, lobt die Süddeutsche Zeitung die Inszenierung, „weil es auf die Kraft seiner Schauspieler vertraut. Und weil es sich die Zeit nimmt, Menschen in die Seele zu blicken.“ Die FAZ rühmt „ein wahres Schauspielfest“, während Deutschlandradio Kultur  feststellt: „Die phänomenalen Schauspieler finden tief in diese Figuren hinein. Der Zuschauer kommt ihnen – und sich selbst – ganz nah.“  Seit zehn Jahren ist das Deutsche Theater Berlin mit dem Siegener Apollo-Theater verbunden. 2007 kamen die Berliner erstmals mit der preisgekrönten Jürgen-Gosch-Inszenierung von „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ – mit Ulrich Matthes und Corinna Harfouch im Ensemble. Bei der 1. Siegener Biennale war es Tschechows „Onkel Wanja“, wiederum von Gosch inszeniert, mit Matthes, Constanze Becker und Jens Harzer auf der Bühne. Andres Veiels Banker-Stück „Das Himbeerreich“ mit u. a. Matthes und Susanne-Marie Wrage - eröffnete dann die 3. Siegener Biennale. Und bei „Gift“ war die grandiose Dagmar Manzel die Partnerin von Ulrich Matthes. Der beantwortete übrigens eine Interviewfrage, warum ein so berühmter Schauspieler wie er denn im Siegener Theater spiele, ganz lakonisch: „Weil die Apollo-Leute und wir vom Deutschen Theater die gleiche Blutgruppe haben.“

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