Spielplan Vorwort des Intendanten
Vom Dach des Apollos aus schaut das Leitungsteam des Theaters fröhlich der fünften Spielzeit entgegen: Jan Vering (Dramaturg), Walter Schwerdfeger (Vorsitzender), Petra Georg-Achenbach (Ausstattungsleitung) und Magnus Reitschuster (Intendant).
Verehrtes Publikum
Eine Art Neuanfang ist es, zu dem wir herzlich einladen. Und zwar mit einem „Blick zurück nach vorn”:
„Wieder zu Hause. Wie schön und wie schrecklich.” Als im Oktober 2001 im leerstehenden alten Apollo-Kino der Darsteller des Emigranten Adolf Busch den Saal betrat (so wie es in der Realität des Jahres 1949 gewesen war), wurde dies als Signal wahrgenommen. Als Signal, was Theater, die öffentlichste aller Künste, für das Geschichts- und Gegenwartsbewusstsein einer Polis bedeuten kann.
Nun, zehn Jahre später, eröffnet die fünfte Apollo-Spielzeit anlässlich des 120. Geburtstags des Geigers Adolf Busch und des 60. Todestags des Dirigenten Fritz Busch mit der Uraufführung „Busch-Brüder oder Karajans Bräune”. Kein polit-moralischer Zeigefinger ist zu erwarten, sondern eine hochprozentige Mixtur aus Heimatstück, Tragikomödie und Burleske. Die Scham über die braune Vergangenheit der Stadt geht einher mit dem Stolz auf diese Söhne der Siegener Familie Busch, die nicht nur musikalische Genies, sondern - im Gegensatz zu Herbert von Karajan - auch Charaktere waren. Mit spielverliebtem Ernst und aufklärungswütiger Komik soll sich Apollo erneut erweisen als das, was es ist: ein Stück Stein gewordene Identität im Herzen von Stadt und Region.
Wenn aus Gedankengebäuden reale Bauwerke werden und aus Visionen Realität, ist einiges gewonnen. Aber nicht alles: Der Betriebspragmatismus fordert sein Recht, der Wirtschaftsplan weist Pläne in die Schranken. Das letzte Jahr war geprägt von den Anstrengungen um die finanzielle Basis für den (über)ambitionierten Kurs. Diese wurde dank der Mäzenaten und Sponsoren, der Förderkreis-Mitglieder und der Apollo-Stiftung erneut geschaffen. Danke! Weder Qualität noch Quantität müssen reduziert werden: Wieder kann dieses groß aufgemachte Spielzeitbuch erscheinen, wieder kommt eine aufwendige Weihnachtsmärchen- Eigenproduktion für Kinder, wieder gibt es ein Partizipationsprojekt mit Jugendlichen, wieder machen Abitur-Stücke „Lust auf Bildung”, wieder können wir über Spielzeiten hinweg ein Repertoire aufbauen mit der Wiederholung von wichtigen Gastspielen. Und vor allem: Die Siegener Biennale, die 2011 ausfiel und in Frage stand, wird wieder „auferstehen”: am Karsamstag 2012 mit einer erschütternden Reanimation von „Draußen vor der Tür” durch das Hamburger Thalia Theater und der anschließenden „Auferstehungssinfonie” durch unsere Philharmonie und ihre Kooperationspartner.
Mit Charles Olivieri-Munroe schreibt nun ein neuer Chefdirigent der Philharmonie Südwestfalen ein weiteres Kapitel der Musik-Geschichte dieser Region. Herzlich willkommen! Aber auch Russell N. Harris, der eine Ära geprägt hat, wird als Gastdirigent weiter zu sehen und zuhören sein. Bewährtes wird bewahrt und Neues gewagt.
„Die Sprache dieses Landes ist das Schweigen”, diagnostiziert die Bühnenfigur Adolf Busch. Ohne Rücksicht auf eigene Verluste bringt er durch sein Reden, Handeln und Musizieren die Verhältnisse zum Tanzen. Dran glauben - auch wenn man dran glauben muss. Um Heimat geht es. Um Heimat jenseits von Tümelei und Nationalismen. An der Wiedererschaffung von Heimat arbeitet die Kunst.
Magnus Reitschuster
Intendant und Geschäftsführer
Walter Schwerdfeger
Vorstandsvorsitzender
