Der Menschenfeind

Schauspiel & Musiktheater

Zum Stück

Preisgruppe C

mit Ulrich Matthes u.A.
Deutsches Theater Berlin

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Mi | 23.06.2021 | 20:00 Uhr

evtl. Restkarten an der Abendkasse

Do | 24.06.2021 | 20:00 Uhr

evtl. Restkarten an der Abendkasse

Alceste (Ulrich Matthes) verachtet die ihn umgebende Gesellschaft für ihre Heuchelei und Oberflächlichkeit. Sein Ideal ist die unbedingte Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit. Fanatisch versucht er, sein Umfeld zu bekehren. Alcestes Weigerung, sich den gesellschaftlichen Spielregeln anzupassen und sich diplomatisch zu verhalten, führt zu bitteren Erfahrungen. Da er den Dichter Oronte (Timo Weisschnur) unerbittlich kritisiert, macht er sich diesen zum Feind. Da er es ablehnt, die Richter zu bestechen, verliert er den von Oronte angestrebten Prozess. Die gut gemeinten Ratschläge seines treuen Freundes Philinte (Manuel Harder) schlägt er in den Wind. Die schwerste Niederlage erfährt Alceste aber in der Liebe: Die von ihm umworbene lebenslustige Célimène (Franziska Machens) lehnt es trotz ihrer Zuneigung zu Alceste ab, zusammen mit ihm die Einsamkeit zu suchen und das Alleinsein mit einem mürrischen Menschenverächter gegen das reizvolle Spiel wechselnder Flirts einzutauschen. Ob Alceste die von ihm ständig angekündigte Weltflucht am Ende allein antritt, bleibt offen. Molières tragisch-komischer Titelheld verkörpert das Dilemma eines Idealisten, der an der Wirklichkeit leidet und sie ändern will. In einer zutiefst verlogenen Gesellschaft ist er derjenige, der immer die Wahrheit sagt. Seine Selbstgerechtigkeit und der Fundamentalismus, mit der er seine Überzeugungen zum Ausdruck bringt, treiben ihn allerdings in eine Isolation, aus der heraus Veränderung nicht möglich ist. In weiteren Rollen zu sehen sind Lisa Hrdina (Éliante), Judith Hofmann (Arsinoé), Jeremy Mockridge (Acaste) und Elias Arens (Clitandre). Regie führte Anne Lenk.Florian Lösche hat für diese Inszenierung einen schwarzgrauen Bühnenkasten mit elastischen Wänden gebaut, in dessen straff gespannten Strippen man sich nicht nur wunderbar verfangen kann. Die Höflinge hängen mal dekorativ in den Seilen, mal tragen sie akrobatische Scharmützel aus. Die Wände lassen sich nach Belieben zurechtbiegen, und um Gelenkigkeit im weitesten Sinne geht es ja in Molières Komödie, beziehungsweise um ihr Gegenteil: Einen ausdrücklich unflex-iblen Misanthropen, der – zumindest seiner eigenen Definition nach – der allgegenwärtigen Kriecherei den bedingungslos aufrechten Gang entgegensetzt. Dass man es aber auch übertreiben kann mit dem Wahrsprechen und Moralisieren, nämlich dann, wenn man das Handlungsziel nicht mehr vom puren Prinzip zu unterscheiden vermag, das weiß Alcestes Kumpel Philinte, der zum Auftakt des pausenlosen Neunzigminüters mit ihm über die Vor- und Nachteile sozialer Konventionen disputiert. So geht der Abend gleich schwungvoll los!