Mehmet Daimagüler: „Jetzt sind wir dran“

Schauspiel & Musiktheater

Zur Lesung

Mehmet Daimagüler liest aus seinem Buch „Empörung reicht nicht!
Unser Staat hat versagt. Jetzt sind wir dran. Mein Plädoyer im NSU-Prozess“

Preis: 13 Euro / 8 Euro ermäßigt

Alle Veranstaltungen

So | 16.12.2018 | 20:00 Uhr

Karten verfügbar

ab 13,00 / 8,00

Mehmet Daimagüler

Mehmet Daimagüler ist Wissenschaftler, Jurist, Kolumnist, Buchautor, Unternehmensberater, Ex-Politiker – und Deutscher, auch wenn aufgrund seines Namens die stets gleichen Denkmuster zu greifen beginnen: „Woher kommen Sie – Herr Daimagüler – eigentlich?“

„… Ich bin hier in Deutschland geboren und aufgewachsen. Ich träume auf Deutsch. Ich habe keine andere Heimat und möchte auch keine andere. Ich bin gerne Deutscher – eigentlich …“. – So antwortet Mehmet Daimagüler in seinem 2011 erschienen Buch „Kein schönes Land in dieser Zeit. Das Märchen von der gescheiterten Integration“, das in einer Theaterfassung auch auf der Bühne des Apollo-Theaters zu erleben war. Aufwühlend ehrlich thematisiert er darin den langwierigen Prozess des Ankommens von Arbeitsmigrant*innen und deren Kinder in Deutschland.

Ein Prozess in gänzlich anderem Wortsinn war es, der sein Vertrauen in genau diese deutsche Heimat zutiefst erschütterte: Als Anwalt im NSU Prozess vertrat er die Geschwister des Terroropfers Abdurrahim Özüdogru und die Tochter des ermordeten Ismail Yasar, setzte sich mit der gewaltigsten rechtsterroristischen Anschlagsserie der deutschen Nachkriegsgeschichte auseinander und empörte sich im Verlaufe dieses Prozesses über ein komplexes Versagen des Staates – über das Versagen der Polizei, der Verfassungsschutzbehörden, der Politik, aber auch über das Versagen der Zivilgesellschaft. Und er bezog sich selbst in dieses Versagen mit ein.

Und wieder schrieb er sich Ballast von der Seele, diesmal unter dem Buchtitel „Empörung reicht nicht! Unser Staat hat versagt. Jetzt sind wir dran“, in dessen Einleitung es heißt: „… Der Weg zu einer besseren Gesellschaft ist lang, und er ist steinig. Und er erschöpft sich nicht in strafrechtlicher Verantwortung. Wir müssen ‚Verantwortung‘ vielmehr weiterdenken. (…) Daher mein Appell: Übernehmen wir Verantwortung! Für uns, für unser Land, für unseren Staat und seine Organe, auch für deren Fehler und Unzulänglichkeiten. Dazu gehört auch, nicht so zu tun, als sei der NSU Geschichte, als wären alle Rätsel und Fragen beantwortet …“.

An einem Tag, der in Siegen dem großen (Geh)Denken gilt, schlägt der in Niederschelden geborene Mehmet Daimagüler im Apollo-Theater seine Buchseiten auf und liest uns ins Gewissen, um gemeinsam einen zweiten NSU zu verhindern.