Roreo und Juguretta

Denn nie verdarben Lebensmittel so wie Juguretta und ihr Roreo
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Beschreibung ↓

Wir packen die bekannteste Liebesgeschichte der Weltliteratur auf den Tisch. Aus prall gefüllten Einkaufstüten. Dazu zwei Schauspieler und eine Kamera. Und schon spürt man das Knistern zwischen Keks und Schokoriegel und die Feindschaft zwischen zwei Gurken.

Wir spielen mit dem Essen. Soll man ja nicht, macht aber Spaß. Und das ist auch ganz wichtig, denn gerade die Theaterklassiker sind doch oft verbunden mit einem Gefühl von „Hab-ich-in-der-Schule-­lesen-müssen“ oder „Hab-ich-vor-Jahren-mal-in-so-­einer-verstaubten-Version-am-Theater-gesehen“.

Wir machen das anders. Die Figuren der Geschichte sind bei uns Lebensmittel aus einem alltäglichen Einkauf. Die Schauspieler sprechen für sie, legen und bewegen sie, werfen sie herum … und es entsteht die Geschichte von
Romeo und Julia, die jeder irgendwie kennt, aber auch nicht. Man hat Vorstellungen, vielleicht Klischees … wir jonglieren mit ihnen und mit rohen Eiern. Wir brechen sie wie Brot. Wir servieren sie wie ein Fünf-Gänge-Menü.

Das alles ist sehr komisch, aber auch todernst. Mal geht es appetitlich zu, mal weniger.
Mal süß, mal sauer. Bitter, gesalzen, scharf oder mit Schuss.

»Zwei Schauspieler gehen einkaufen und plötzlich werden aus Keks und Schokoriegel die berühmtesten Liebenden der Weltliteratur.«

Statement Salon Ute zum Thema Lebensmittelver(sch)wendung:

Wir verwenden in unseren Objekttheaterstücken Lebensmittel als Protagonisten auf der Bühne. Viele davon verwenden wir dauerhaft in jeder Aufführung, manche werden während oder nach der Aufführung gegessen, einige werden auch zerstört. Darf man das? Mit Essen spielt man doch nicht!? Wir diskutieren viel darüber, ob das im Allgemeinen und gerade in Zeiten von Krieg und Lebensmittelknappheit vertretbar ist. Es gibt dabei drei Aspekte, die aus unserer Sicht wichtig sind:

1) Die Menge an Lebensmitteln, die bei uns in einer Aufführung zerstört wird ist weniger als das, was in Deutschland durchschnittlich von einem Wocheneinkauf pro Person weggeschmissen wird. Das ist keine Entschuldigung, aber eine Einordnung der Dimension.

2) Theater verbraucht immer Ressourcen. An jedem Stadt- und Staatstheater werden für ein paar Aufführungen riesige Bühnenbilder gebaut und oft nie wieder benutzt. Das gleiche gilt für Kostüme und Requisiten, auch für Lebensmittel, die auf der Bühne einmal vorkommen und nachher entsorgt werden. Bei uns ist das nur auffälliger, weil wir den Lebensmitteln die verdiente Ehre erweisen, die Hauptrolle zu spielen. 

3) Wir haben mehrfach die Rückmeldung bekommen, dass genau diese Gedanken bei vielen Zuschauer*innen während der Vorstellung ins Rollen kommen: "Mit Essen spielt man doch nicht!" - "Andererseits was werfe ich denn jede Woche weg!" - "Und was die Supermärkte?"... Und diese Gedanken sind wichtig und richtig.

Fazit: Wir sind uns der Problematik bewusst, wir verschließen uns der Diskussion nicht, aber wir stehen zu dem, was wir machen! 

 

Termine ↓
Sa • 24. Sep 22 • 19:30 Uhr Apollo-TheaterApollo begrüßt um 19:00 Uhr, Premiere
Di • 27. Sep 22 • 10:00 Uhr Apollo-Theater
Infos ↓
Schauspiel & Objekttheater 12+
Dauer: ca. 110 Min. plus Pause nach ca. 70 Min.
Uraufführung
Preise: C

Von und mit Salon Ute (D) in Koproduktion mit dem Apollo-Theater Siegen (D)

Besetzung: Johannes Fast, Torben Föllmer
Leading Team: Marisa Wendt (Regie), Salon Ute (Kostüme, Bühne und alles andere), André Beermann (Musikalische Leitung)