Frau Holle

JAp – Junges Apollo

Zum Stück

mit Maria Helgath, Angelika Linder, Stefanie Steffen,
Torben Föllmer, Fynn Engelkes und Mario Mammone
Regie: Jürg Schlachter
Musik: Mario Mammone
Dramaturgie: Werner Hahn
Bühnenbild und Kostüme: Theater Ingolstadt

Preisgruppe A

Frau Holle

Kaum eine Märchenfigur ist uns mit ihrer Bildkraft derart präsent wie Frau Holle. Schon beim ersten zaghaften Schneefall in der kalten Jahreszeit denken wir unweigerlich an jene Frau, die irgendwo im unendlichen Wolkenmeer haust, ihre Kissen ausschüttelt und damit Pflanzen, Tieren – und eigentlich auch uns Menschen – die winterliche Ruhezeit ankündigt.

Auch die Geschichte selbst beinhaltet wohl vertraute Motive: Eine Witwe bevorzugt ihre leibliche Tochter Marie, während sie die Stieftochter – ebenfalls eine Marie – mit Lust und Wonne drangsaliert. Marie muss die gesamte Hausarbeit erledigen. Und wenn das Geld fürs tägliche Brot nicht reicht, muss sie sich ans Spinnrad setzen und anschließend das Garn auf dem Markt verkaufen.

Derart unter Druck geraten, sticht sich Marie an der Spindel und beschmutzt das wertvolle Garn mit Blut. Beim Versuch, das Garn reinzuwaschen, fällt ihr die Spindel in den Brunnen. Auf Geheiß der Stiefmutter springt Marie der Spindel hinterher. Sie erwacht am anderen Ende des Brunnens, umgeben von bunten Blumen, einem Apfelbaum mit reifen Früchten und einem Backofen mit knusprig braunem Brot. Sie befreit Baum und Ofen von ihrer Last und begegnet schließlich jener Frau Holle, die mit sicherem Instinkt den Kreislauf der Natur verwaltet. Ein Jahr lang bleibt Marie bei ihr und lernt, aus diesem Kreislauf der Natur Kraft und Orientierung für ein eigenständiges Leben zu ziehen. Beim Abschied wird sie – zum Lohn für ihre guten Taten – mit Gold überhäuft.

Maries Rückkehr löst bei der Stiefmutter große Begierden aus: Auch die leibliche Tochter jagt sie durch den Brunnenschacht in das Reich der Frau Holle. Aber deren Abenteuer endet im und mit Pech. Stiefmutter und Stiefschwester verlassen panisch das Haus, und „Goldmarie“ bleibt zurück mit ihrem einzigen, treuen Freund: mit Günter, dem Gockelhahn.

Das Apollo-Theater erzählt in poetischen Bildern und mit inspirierender Musik vom steinigen Weg eines unsicheren Kindes zu einer selbstbewussten jungen Frau, aber auch von der Geborgenheit, die im Kreislauf der immer wiederkehrenden Jahreszeiten zu finden ist.