Medea. Stimmen

Schauspiel & Musiktheater

Zum Stück

nach Christa Wolf
Regie: Tilmann Köhler, Bühne: Karoly Risz
Kostüme: Susanne Uhl, Henrike Huppertsberg, Musik: Jörg-Martin Wagner
Puppenbau: Franziska Stiller, Karen Schulze, Andreas Müller
mit Maren Eggert, Edgar Eckert, Lisa Hrdina, Helmut Mooshammer,
Thorsten Hierse, Kathleen Morgeneyer, Johanna Kolberg, Michael Metzler
Deutsches Theater Berlin

Spieldauer: 2:20 h, eine Pause

Preisgruppe C

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Sa | 18.05.2019 | 19:00 Uhr

Karten verfügbar

ab 19,00 / 11,00

So | 19.05.2019 | 19:00 Uhr

Karten verfügbar

ab 19,00 / 11,00

Medea. Stimmen

Medea – Bruder- und Kindermörderin, blutrünstige Furie. So beschrieb sie Euripides in seiner ca. 400 v. Chr. verfassten Tragödie: Die Königstochter flieht mit ihrem Mann, dem Argonauten Jason, aus ihrer Heimat Kolchis, nachdem sie den eigenen Bruder getötet hat. Weit kommt das Paar jedoch nicht, sondern strandet in Korinth. Im Asyl wendet sich Jason von Medea ab und schenkt seine Aufmerksamkeit einer neuen Geliebten. Als Strafe für diese Untreue bringt Medea die gemeinsamen Söhne um und vergiftet Jason und die Konkurrentin.

Christa Wolf fragt in ihrer Bearbeitung nach der Deutungshoheit über Historie – und danach, wessen Interesse es ist, die „wilde Frau“ als Mörderin hinzustellen. Durch sechs verschiedene Erzählperspektiven entwirft die Autorin das Porträt dieser ungewöhnlichen Gestalt neu – es entsteht eine radikale Korrektur des gängigen Medea-Bildes. „Medea. Stimmen“ erzählt eine veränderte Handlung, in der Medea weder Bruder- noch Kindermörderin ist, sondern eine selbstbewusste, starke Frau, die sich in einem fremden Land und im Patriarchat behaupten muss. Somit lehnt Christa Wolf das erst von Euripides eingeführte Motiv der Kindstötung einer Heilerin und Mutter ab, die entgegen ihrer gesellschaftlich anerkannten Aufgabe der Lebenserhaltung handelt. Vielmehr stellt sie es als Resultat einer Verschwörung der Männer gegenüber Frauen dar, die ihre Macht gefährden. Vom eigenen Ehemann und aus dem Palast verstoßen, in dem sie und ihre Familie Schutz suchten, kommt auch Medea selbst zu Wort und erzählt ihre Version der Geschichte: „Was reden sie. Ich, Medea, hätte meine Kinder umgebracht. Ich, Medea, hätte mich an dem ungetreuen Jason rächen wollen. Wer soll das glauben. (…) Sie sorgen dafür, dass auch die Späteren mich Kindsmörderin nennen sollen.“

Doch nicht nur das Bild der geächteten Frau wird von Christa Wolf thematisiert. Auch Fremdenhass, Ausgrenzung und die selbstzerstörerischen Tendenzen unserer Gesellschaft stehen im Mittelpunkt der Handlung. So stellt sie fest, „wir sind unbelehrbar“ und fragt am Ende wütend: „Wohin mit mir. Ist eine Welt zu denken, eine Zeit, in die ich passen würde“ – Medea ist eine Frau auf der Suche nach neuen Werte-Hierarchien, nach einem Neuanfang, nach einer Zukunft. Das Deutsche Theater Berlin zeigt mit Tilmann Köhlers Inszenierung eine äußerst textnahe Umsetzung von Christa Wolfs Roman.